Google Remarketing Kampagne - Teil 1: Was ist Retargeting ?

In dieser kleinen zweiteiligen Blog-Serie stelle ich das Thema Remarketing vor. Im ersten Teil geht es ganz allgemein darum, was sich hinter diesen mystischen Marketing-Begriffen verbirgt. Vor allem geht es aber darum, warum es für jeden Handwerker, für jede Firma - ob regional oder bundesweit - und auch für alle Dienstleister ein sehr machtvolles Marketing-Instrument ist.

Im zweiten Teil zeige ich dann in einer Anleitung Schritt für Schritt wie man seine erste eigene Kampagne in der Plattform Google Adwords selber aufsetzt und an den Start bringt.

Remarketing in freier Wildbahn: Stellen Sie sich vor, sie besuchen einen Online-Shop und schauen sich zum Beispiel ein paar Schuhe an: Dunkel braun und weiches Leder zum Beispiel. Sie bestellen diese aber schlußendlich dann doch noch nicht. Genau wie die vermutlich weit über 95% der anderen Besucher. Denn nur wenige Prozent der Besucher bestellen in einem Online-Shop in der Regel überhaupt etwas - konvertieren also zu Kunden (Stichwort "Konvertierungs-Rate", englisch "Conversion Rate").

In den kommenden Tagen surfen Sie nun munter weiter im Internet auf diversen Webseiten. In den Werbeanzeigen auf diesen anderen Internetseiten sehen Sie dabei dann entweder genau die zuvor angesehenen Schuhe oder ähnliche Schuhe zum Beispiel anderer oder gleicher Farbe, Schuhe vom selben Material (Leder), von der gleichen Marke oder vom selben Typ - genau aus dem zuvor besuchten Online-Shop.

Das Ziel des Shop-Betreibers scheint klar: Er hat Lunte gerochen, ihren persönlichen Schuh-Geschmack erkannt - und will Sie nun zurück in den Shop holen und dort natürlich möglichst Ihren Besuch doch noch in eine umsatzträchtige Bestellung umwandeln. Dazu verfolgt er sie quasi mit seinen genau passenden Werbeanzeigen.

Und genau darum geht es beim Retargeting: mit "wieder ins Ziel nehmen" oder "zurückholen" könnte man diese englischen Marketing-Ausdrücke grob umschreiben. Das "Re" steht für "wieder" und "zurück", dass Targeting für das "Ziel" bzw. "genau zielen".

Retargeting und Remarketing - Wie funktioniert das ?

Stellen Sie sich vor, bei dem Besuch des Online-Shops erhalten alle Besucher einen Hut: Diejenigen die sich für braune Lederschuhe interessieren (= eine entsprechende Produktseite geöffnet haben) einen roten, diejenigen die sich für Turnschuhe interessieren einen blauen, diejenigen die sich für Wanderschuhe interessieren einen gelben usw.

Technisch funktioniert das ganze über sogenannte Cookies. Ein Cookie ist ein kleiner Informations-Happen welcher im Webbrowser zu einer Domain gespeichert wird. Die Cookies kann man sich in den meisten Browsern auch anschauen - bestehen aber in der Regel aus wilden Code-Folgen welche für Menschen erstmal wenig Sinn machen bzw. nicht verständlich sind.

Das die Besucher einen solchen Hut vom Shop-Betreiber aufgesetzt bekommen (aka Cookie im Browser gesetzt wird) merken diese in der Regel natürlich gar nicht - laufen aber trotzdem im Internet nun tage- oder gar wochenlang mit diesen Hüten (Cookies) herum. Heisst technisch, dass die Cookies wieder ausgelesen werden können.

Wann immer nun Google in seinem Anzeigen-Netzwerk - an dem hundert-tausende von Webseiten als Partner angeschlossen sind - aber diese Hüte aka Cookies sieht, können entsprechend vorbereitete Werbe-Anzeigen ausgeliefert werden: Diejenigen mit roten Hüten bekommen Angebote von Lederschuhen angezeigt, diejenigen mit den blauen bekommen Werbebanner mit Sportschuhe zu sehen usw...

 

Viele Targeting Möglichkeiten

Der Phantasie beim Verteilen der "Cookie-Hüte" sind kaum Grenzen gesetzt. Es kann sehr einfach durch den Besuch einer Produktseite geschehen, oder erst wenn man sich auf einer längere Zeit aufhält, wenn man sich mehrere gleichartige Produkte angesehen hat (Hut wird erst beim dritten Produkt gesetzt), wenn man etwas in den Warenkorb legt aber dann nicht bestellt und vieles mehr.

Grundsätzlich können Besucher auch mehrere dieser "Cookie-Hüte" aufgesetzt bekommen und man kann diese auch wieder wegnehmen - z.B. wenn die gewünschte Bestellung durchgeführt wurde und der Besucher damit also erfolglreich zum Kunden konvertiert wurde. Es macht ja keinen Sinn mehr für dieses Produkt noch weiter zu werben und damit Geld auszugeben, wenn die Bestellung bereits erfolgreich stattgefunden hat.

Nicht nur für Shops interessant

Remarketing ist aber nicht nur für Online-Shops interessant - sondern eigentlich für nahezu alle Arten von Unternehmen. Zwei Beispiele:

  • Denn auch zum Beispiel der Handwerker bietet ja etwas an - wenn auch nicht direkt ein "Produkt" sondern eben seine Dienstleistungen. Bei ihm steht am Ende das Ziel "Anfragen aus seiner Website zu beziehen" die er dann in Aufträge umwandeln kann. Die Entscheidung nach einer neuen Heizung oder Küche zum Beispiel sind ja keine wo man mal eben auf "bestellen" klickt - oft gehen wochenlange Recherchen und Vergleiche verschiedener Handwerksbetriebe und Angebote der Entscheidung voraus. Wie praktisch ist es, in dieser Phase mit seinen Angeboten und mit dem eigenen Handwerks-Betrieb immer wieder sichtbar zu sein ?
  • Oder nehmen wie die Gastronomie: Holt man sich für viel Geld z.B. durch Anzeigen oder geeignete Suchmaschinen-Optimierungen Besucher gezielt auf die eigene Website, z.B. zum Thema Hochzeiten - konvertieren diese oft nicht sofort. Die Planung einer Hochzeits-Feier inklusive der Recherche geeigneter Locations ist eben auch ein längerer Prozeß der oft ebenfalls über Wochen geht. Da macht es schon Sinn den Hochzeits-Interessenten ein paar Remarketing-Hüte aufzusetzen und in den Folgewochen die eigene Location immer wieder dezent ins Bewußtsein zu bewerben.

Dies nur zwei Beispiele - die wir unendlich auch in anderen Branchen fortsetzen könnten.

Dabei zeigt sich: Oft macht Remarketing bei Nicht-Online-Shops sogar noch mehr Sinn. Vor allem wenn es um teure und einmalige Investitionen geht, die sich von der Entscheidung über einen längeren Zeit hinziehen, ist Remarketing ein sehr starker Hebel.

Vorsicht vor dem Verfolgungswahn: Stressen Sie Ihre Kunden nicht

Wie immer im Leben gilt: Man sollte es nicht übertreiben. Denn werden die Werbeanzeigen zu oft geschaltet, fühlen sich die potentiellen Kunden schnell verfolgt, belagert und ausgespäht.

Jeder der mal im sonnigen Urlaub von einem dutzend wild-gestulierender Strassen-Verkäufer belagert wurde kennt diesen Kauf-Frust. Genauso ist es auch im Internet wenn eine Werbung zu oft und zu aggressiv kommt: Die potentiellen Kunden sind dann schnell genervt - Shopping-Freude sieht halt anders aus.

Wird der aufgebaute Werbedruck in der Penetranz vom Nutzer erstmal bewußt wahrgenommen - ist es womöglich zu spät. Denn letztendlich hat es ja vielleicht auch seinen Grund, warum ein Nutzer sich gegen ein Angebot entschieden hat. Und dies kann vielfältige Gründe haben. Seine Marke mit "die sind mir nun aber unangenehm aufgefallen" beschädigen möchte hingegen niemand wirklich.

Es kommt also auf das richtige Taktgefühl an. Sich als Shop mit seinen Produkten oder als Dienstleister immer mal wieder erneut in Erinnerung rufen ist in Ordnung - die Kunden nerven und verfolgen bis der Arzt kommt führt hingegen nicht zum Erfolg. Deshalb bieten die meisten Remarketing-Dienstleister wie Google auch die Möglichkeit die Anzeigenschaltungen nach oben zu deckeln und zu begrenzen.

Rechtliche Würdigung - Datenschutzkonform ?

Ist Remarketing erlaubt oder verstößt man gegen das Datenschutzrecht ? Ich kann darauf keine klare Antwort geben - weil es sie vermutlich gar nicht gibt. Außerdem bin und will ich auch gar kein Anwalt sein ;)

Die Werbung per Remarketing ist noch recht neu: Google bietet sie zum Beispiel erst seit ca. 2,5 Jahren in Adwords der breiteren Öffentlichkeit an. Von daher ist die Willensbildung der Gesetzgeber noch nicht abgeschlossen und schon gar nicht ist die Rechtssprechung vollends geklärt.

Für viele Datenschützer und Poltiker ist Remarketing ganz böses Hexenwerk welches klar verboten gehört oder gar bereits im Rahmen der existierenden Gesetze verboten ist. Die Anbieter der Remarketing-Dienste und viele Unternehmer aber auch Politiker sehen dies natürlich genau anders herum.

Für beide Seiten gibt es gute, plausible und zunächst in sich schlüssige Argumentationsketten. Schaut man sich die Argumente beider Seiten an, ist man am Ende als interessierter Unternehmer jedoch genauso schlau wie vorher.

Daraus folgert: Als Unternehmer arbeitet man wohl in einer leichten Grauzone. Wie so oft bei neuen Dingen die es so vorher noch nicht gab. Letztendlich muss jeder Unternehmer dies für sich selber entscheiden ob er das machtvolle Instrument zu seinem Vorteil einsetzen will - oder vor lauter Datenschutz-Angst dies eher nicht macht.

Entscheidet man sich für den Remarketing-Einsatzes ist aus meiner Sicht wichtig, dass man die von den Anbietern bereitgestellten Datenschutz-Klauseln in die eigenen Datenschutzerklärungen übernimmt und damit gegenüber den Website-Besuchern zumindestens mit offenen Karten spielt.

 

Retargeting und Remarketing - Mein erstes Fazit

Die vorgestellte Retargeting Technik ist eine machtvolle Marketing-Technik um Internet-Nutzer auf die eigene Website zurück zu holen und dort in umsatzträchtige Kunden zu verwandeln und zu konvertieren.

Und dies gilt nicht nur für Online-Shops, auch für Handwerker, regionale Firmen und sonstige Dienstleister jeglicher Art ist Remarketing nicht nur sehr interessant - sondern vor allem überaus lohnenswert und gezielt eingesetzt Gewinn-bringend. Im Prinzip sollte dies also für alle unsere Webhosting-Kunden, welche öffentliche Websites betreiben, interessant sein.

Wer also denkt, dass Remarketing nur etwas für die großen Online-Shops wie Amazon, Ebay und Co ist, der irrt sich also ganz gewaltig. Denn spätestens seit Google in seiner Adwords-Plattform Remarketing anbietet, ist Remarketing auch für den kleinen Gewerbebetrieb oder für Selbstständige definitiv machbar.

Da ist nichts mystisches: Eine erste eigene Kampagne aufzusetzen kostet noch nicht einmal einen Nachmittag Zeit sich da einzuarbeiten - wobei sie die Grundlagen nun hier schon übermittelt bekommen haben. Dazu reicht ein Werbe-Budget im mittleren zweistelligen Euro-Bereich für die ersten Versuche mehr als dicke aus.

Im kommenden Blog-Artikel werde ich als zweiten Teil eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung anbieten, welche es jedem erlaubt seine erste Kampagne aufzusetzen und hoffentlich keine wesentlichen Fragen mehr offen lässt. Teil 2 finden Sie hier: Google Remarketing Kampagne - Teil 2: Anleitung zum Retargeting per Google AdWords

Wer darüber hinaus individuelle Beratung oder telefonische Schulung haben möchte, dem stehen wir im Rahmen unseres Unternehmensbereiches Website-Services als Dienstleister gerne zur Verfügung.

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