Pinterest - Der neuste Trend im Social-Media

"Der Facebook-Killer für Schöngeister boomt...", so titelte der Focus vor einigen Wochen. "Pinterest ist die neue Trendseite im Social- Media-Bereich". So legte der Stern vor wenigen Tagen nach.

Nun hatte ich angenommen, dass mir solche Trends nicht verborgen bleiben, zumal ich mich beruflich sehr für solche Trends interessiere und meinte, mit offenen Augen und Ohren durch die IT-Landschaft zu marschieren. Dem war aber wohl nicht so, denn von Pinterest hatte ich aber auch nur ansatzweise noch nie etwas gehört. Spurlos an mir vorbeigegangen!

Was ist Pinterest ?

Kann ja passieren, aber ich bin neugierig geworden, nicht nur auf diese Seite, sondern erst recht, warum ich davon bislang nichts mitbekommen habe. Also flugs erst einmal auf http://www.pinterest.com/ nachsehen.

Mein erster Eindruck: Scheint ein Trend vor allem im englischsprachigen Raum zu sein, der noch nicht voll nach Deutschland geschwappt ist bzw. erst gerade ansatzweise rüberkommt. Viele seltsame Bilder mit irgendwelchen "Thanx" und "Love it"-Kommentaren, aber irgendwie Kraut und Rüben. Also mal ein wenig recherchiert: "Pinterest is an online pinboard." - also auf Deutsch eine virtuelle Pinnwand. Aha! Und das soll ein Trend sein?

Mal weiterschauen: "Pinterest lets you organize and share all the beautiful things you find on the web." Bislang hatte ich dafür Google genutzt, allerdings wusste ich im allgemeinen ja auch wonach ich suche. Bei Pinterest ist das anders, das ganze ist eine Art sonntäglicher Schaufensterbummel, Wieso sonntäglich? Weil da die Geschäfte geschlossen haben, denn kaufen kann und soll man bei Pinterest nichts: "Browsing pinboards is a fun way to discover new things and get inspiration." Auf Deutsch: Ein sonntäglicher Schaufensterbummel ist ein lustiger Weg, neue Sachen zu entdecken und sich Inspirationen zu holen".

 

Naja, sonntägliche Schaufensterbummel fand ich ehrlich gesagt noch nie besonders lustig, das beste daran ist immer die Eisdiele, die halt auch sonntags geöffnet ist. Als ignoranter Bummelverweigerer erschliesst sich mir immer noch kein Trend, aber ich bin ja vielleicht auch kein Maßstab für diese Zielgruppe.

Summary: Pinterest ist eine virtuelle Pinnwand, wo Bilder, Artikel und andere Webinhalte per Pin anzupinnen und damit gesammelt werden können.

Aber ich lasse Toleranz walten und stürze mich in die Pinboards.

Eine Mischung zwischen Craigslist (Anzeigenmarkt) und Facebook (Gefällt mir) überrollt mich. Anscheinend sehr frauenlastig, das entnehme ich zumindestens den Themen auf der Startseite, sprich Fotos, bei denen es sich meistens um die Themen Dekoration, Schmuck, Inneneinrichtung, Kosmetik, kleine Kinder, kleine Katzen ... handelt. Auch die Kommentare sind meist von Frauen "Lovely! Sooooooooo cute! Unique..." Natürlich gibts auch Männerthemen wie Autos, Technik, Technology ... erreichbar über eine Kategoriestruktur.

Alles in allem aber eher ein riesiger Kaffeeklatsch, wo man (oder eben meist Frau) irgendwelche meist hübschen Bildchen an die Pinnwand heftet und sich dann die Klatsch- und Tratschrunde mit irgendwelchen Kommentaren verewigen kann. Eine rieseige Tupperparty, schon alleine deswegen, weil man auch da nur mit Einladung teilnehmen kann.

Pinterest verändert das Online-Marketing im Internet

Und dieser Kaffeklatsch kann, ähnlich wie es Facebook heute bereits tut, umwahrscheinlich viele Besucher auf die Websites bringen.

Denn Pinterest bedient einen Wunsch, den bislang keine andere bestehende Plattform derart plakativ in den Vordergrund gestellt hat: Neues entdecken. Durchstöbern. Leidenschaften und Inspirationen teilen - meistens und am besten durch Bilder oder aber auch Videos. Pinterest ist eine riesen große  Inspirationsquelle. Und dies spricht vor allem Frauen an - in den USA soll der Anteil weiblicher Nutzer bei > 70% liegen.

Nichts desto trotz hat sich mit Pinterest ein neuer enormer Kanal eröffnet. Dieser ist sicherlich nicht für jeden interessant - aber vor allem Geschäfte, Shops und Produkte bestimmter Bereiche dürften bei Pinterest auf fruchtbaren Boden fallen: Urlaub / Reisen, Restaurants, Hotels, Mode-, Schuh-und Fashion-Shops und Livestyle aller Art haben Pinterest-Affinität.

Und so verwundert es auch nicht, dass als erster Big Player Amazon.com mit Pinterest-Pins vor kurzem auf der amerikanischen Amazon-Version startete - weitere Shops und Firmen werden vermutlich schnell folgen.

Übrigens wird zu jedem gepinnten Foto oder Video ein Link von der Quell-Website eingebunden - kein Wunder dass Pinterest auch unter den Gesichtspunkten von Suchmaschinen-Optimierungen (SEO) von Insidern schon via Geheimtipp als neue Linkbuildung-Plattform empfohlen wird.

Pinterest-Klone

Kaum entsteht in den USA ein neuer erfolgreicher Trend - schon kommen auch die Klone und Copy-Cats auch in Deutschland:

So berichtete vor kurzem Thomas Hutter in seinem Blog über "pixoona als clevere Antwort auf Pinterest aus Deutschland". 

Als Plattform für Designideen startete das Berliner Startup LikedBy im Mai 2011 noch mit einer anderen eher Blog-artigen Aufmachung - nun sieht es dem Original doch extrem ähnlich.

Möglicherweise schon wieder vor dem Aus steht der Klon der Samwer-Brüder namens Pinspire - wie vor kurzem der bekannte IT-Blog Basic-Thinking berichtete.

Rechtliche Grauzone und Fallen

Ein großes Problem bei Pinterest ist der rechtliche Aspekt bzgl. der Urheberrechte bzgl. Haftung beim Teilen, auf den Rechtsanwalt Thomas Schwenke in seinem ausführlichen Blog-Beitrag "Pinterest und die rechtlichen Grenzen beim Teilen und Verlinken" hinweist: 

"Doch wer teilt, verstößt sehr häufig gegen das Urheberrecht und trägt die Haftung für die geteilten Inhalte. Dabei liegt das Risiko nicht bei den Plattformen, sondern bei den Nutzern."

So verwundert es eher nicht, dass findige Abmahn-Anwälte Pinterest als neues Betätigungsfeld längst gefunden haben - erste Pinterest-basierte Abmahnungen rollen wohl schon - wie der Artikel bei DerWesten zeigt.

Aber auch die Fotografen tun sich schwer mit Pinterest, wie der Blog-Beitrag "Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird" von Herrn Kneschke zeigt: Sie hängen schlicht zwischen "Pinterest als kreativen neuen Weg zum Selbst-Marketing" und der "ungewollten und unkontrollierbaren Gratis-Verteilung". Als Tipp gibt Herr Kneschke auf den Weg:

"Deshalb gilt: Wer unbedingt eigene Bilder bei Pinterest einstellen will, sollte das immer nur mit sichtbaren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen."

Vielleicht nicht der schlechteste Tipp - und natürlich sollte man sinnvollerweise immer nur 100% eigenes Foto-Material einstellen.

Pinterest Trend verschlafen ?

Aber warum ist ein solch gigantischer Trend bisher an mir vorübergegangen ? Gigantisch ist durchaus ernst gemeint, wenn man mal ein wenig über die Zugriffszahlen und Wachstumsraten recherchiert: Platz 44 der meistbesuchten Internetseiten.

Ich bin nach tiefenpsychologischer Analyse zu folgendem Ergebnis gekommen: Ich kenne nicht die Termine und Orte der nächsten Tupperpartys. Nein, ich weiß auch nicht mehr, was die roten Damenschuhe in der Auslage im Schuhgeschäft neben der Eisdiele gekostet haben. (Ist da echt ein Schuhgeschäft? Ich kenne nur den Handyladen auf der rechten Seite). Ich kann mich nicht errinnern, was Frau Meier auf der letzten Party angehabt hat. Und, und, und.....

All das sind Fakten und Themen, die mein Gehirn zwecks Effektivität ausblendet und zwar nur wenige Millisekunden nach optischer und/oder akustischer Erfassung. Und nur so konnte ich bislang diesen globalen Trend nicht wahrnehmen. Man sollte sich halt auch solchen Themen öffnen, um nichts zu verpassen - denn für andere sind diese Themen durchaus wichtig und relevant.

Ich werde mich bemühen....

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Kommentare

2 Kommentare bisher
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Jessica
#1 Jessica | 21.05.2012 um 14:05 Uhr
Pinterest hat schon einen beeindruckenden Bekanntheitsgrad an den Tag gelegt. Und Frauen - die oftmals Shoppingtouren und Schaufensterbummel mögen, finden offenbar großen Gefallen an Pinterest. Allerdings wissen viele Unternehmen (noch) nicht, wie sie auf den Pinterest-Boom reagieren sollen. Dazu habe ich hier ein kostenloses eBook zum Download gefunden, siehe http://www.marketingfish.de/all/zwei-kostenlose-ebooks-google-fuer-jedermann-und-pinterest-fuer-unternehmen-5987/
Vielleicht gibt es ja die eine oder andere Anregung?
Philipp
#2 Philipp | 29.09.2012 um 21:33 Uhr
Hallo Bernd,

ja Pinterest erobert momentan die bevorzugterweise der Damenwelt. Dein Kommentar "Lovely! Sooooooooo cute! Unique..." finde ich ziemlich passend, denn Pinterest ist für mich ein Sammelsurium von Großmutters Appelpie Rezepten und Photos lustiger Katzenbabies, sprich sehr Damenlastig. Etwas stylischer geht das thefancy.com vor, meines Erachtens hat diese Seite einen höheren Mehrwert als Pinterest. Seit kurzem gibt es eine deutsche Antwort bzgl. social shopping webseite, www.shoppr.de Hier kann man einfach coole Produkte finden die auch käuflich sind, außerdem wird das männliche Publikum bedient. Meines Erachtens die hisher beste deutsche Alternative..

VG Philipp

Über den Autor

Bernd Schnell
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