Neue Domainendungen ab 2013


Seit Jahren wird die Einführung neuer Domain-Endungen diskutiert. Respektive vor allem wie genau diese stattfinden soll. Die Diskussion fand dabei international von der Internet-Verwaltungsorganisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) und dessen Community - zu der Provider, Registrierungsstellen (Registries), Regierungen und sonstige Gruppen gehören - statt. Die letzten neuen Domain-Endungen, welche nicht Länder betrafen, wurden im Jahr 2004 / 2005 eingeführt. Vergangenen Montag wurde die Diskussion beendet indem das Bewerberhandbuch in der Fassung vom 30. Mai verbindlich verabschiedet wurde.

Bereits vergangene Woche schrieb mich ein Kunde an, dass man ja vereinzelt bereits Domains unter den neuen Endungen wie .shop vorregistrieren könne und wann dies denn nun bei Portunity möglich sein wird und ob wir das bereits im Blick haben. Mit diesem Beitrag möchte ich da für alle Kunden gerne auf diese Frage eingehen - und vor allem zum jetzigen Zeitpunkt auch ein wenig auf die Bremse treten.

Exkurs und Rückblick

Das Domain-Name-System ist hierarchisch aufgebaut, jede Domain läuft unter einer anderen - auf der höchsten Ebene spricht man von so genannten Top-Level-Domains (TLDs). Generell wird dabei unterschieden zwischen:

  • allgemeine Endungen: generic TLDs (gTLDs) - Die generischen Endungen sind unterteilt in

    • Nicht limitierte: Unrestricted TLDs (uTLDs) - damit sind Domainendungen gemeint welche für jede Person oder Unternehmung frei registrierbar sind wie z.B. .com, .net usw.
    • Gesponserte Endungen: Sponsored TLDs (sTLDs) - damit sind Domainendungen gemeint welche von Unternehmen vorgeschlagen werden welche diese Namensräume dann nach genauen Richtlinien und Regeln betreiben, z.B. dürfen unter der Endung .travel nur Reisebüros, Fluglinien usw. Domains registrieren

  • länderspezifische Endungen: country-code TLDs (ccTLDs) - also Länder-Endungen wie z.B. die ".de"
  • Infrastruktur-Endung: infrastructure TLD (iTLD) - wie .arpa

Während sich die zweistelligen Länderendungen an den ISO-Codes der Länder orientieren - wie z.B. die in Deutschland geläufige Standard-Endung ".de" - gab es bei den generischen allgemeinen Endungen (gTLDs) anfangs nur wenige Endungen wie die bekannten .com, .net und .org.

Im Jahr 2000 wurde der Namensraum erstmalig um ein paar wenige erweitert wie .info, .biz, .museum, .aero und .pro - bis die live erreichbar waren dauerte es bis 2001 bzw. teilweise bis 2002. Im Jahr 2004 gab es eine weitere Runde bei der Endungen wie .jobs, .travvel, .mobi, .tel und .asia hervor gingen die dann 2005 überwiegend online gingen.

 

Diskussion über neue Domain-Endungen seit Jahren

Seit dem wird quasi seit nunmehr sechs Jahren die Einführung weiterer Domain-Endungen heftigste diskutiert. Im Jahr 2008 beschloss die ICANN die Lockerung der Regeln - worauf die Diskussion erst einmal richtig los ging wie genau die neuen Regeln nun aussehen sollen. Diese Diskussion lief bis vergangenen Montag - wo wie bereits eingangs geschrieben das Bewerberhandbuch in der Fassung vom 30. Mai verbindlich verabschiedet wurde.

Nahezu alle Medien haben über diese ICANN-Entscheidung bereits berichtet, stellvertretend sei hier der Artikel "Künftig kann jedes Wort eine Top-Level-Domain sein" des Online-Portals Golem genannt.

Inflationäre Ausweitung der Namensräume kommt unweigerlich

Ich möchte an dieser Stelle primär darauf eingehen, was dies für unsere Kunden und Portunity in Folge bringt:

Zunächst ist davon auszugehen, dass diesmal der Run auf neue Endungen deutlich größer sein wird als vor 6 oder 11 Jahren noch. Bei der nächsten Bewerber-Runde werden nicht nur eine handvoll neuer Endungen kommen, sondern möglicherweise bis zu mehrere hundert. Auf verschiedenen Fach-Tagungen und Domain-Veranstaltungen der letzten Jahren, an denen ich teilgenommen habe, wurden Zahlen von 500 bis 2000 genannt. Ich persönlich denke es könnten im ersten Anlauf eher so 500 bis 1000 werden. Trotzdem ist das inflationär im Vergleich zu der bisherigen Anzahl an Domainendungen.

Neben allgemeinen generischen Begriffen wie .shop, .web, .cars, .bank und vielen anderen stehen Unternehmen in der Startphase welche für Regionen und Städte eigene Endungen etablieren möchten. In Deutschland mittlerweile am bekanntesten dürfte dotBerlin (.berlin) sein - dessen Gesellschafter Portunity übrigens zwischenzeitlich ist. Aber international gibt es längst Unternehmen welche .newyork, .london, .paris, .cologne, .munich, .sydney und viele weitere einführen möchten. Quasi für jede relevante Millionen-Metropole auf der Welt gibt es diesbezüglich Pläne und Interessensgruppen. Auch für Regionen sind Endungen denkbar - was halten Sie von .nrw oder .bayern ? Als vierte Gruppierung lassen sich Firmen-Endungen wie .facebook, .ebay, .google, .amazon, .microsoft, .nokia, .bmw, .siemens, . mcdonalds und viele weitere denken. Auch .portunity wäre machbar. Als fünfte Gruppe lassen sich Sonstige und Infrastruktur-Endungen wie .gmbh oder .ltd denken - oder wie wäre es mit einer Endung .iban für Büchercodes, .ean (EAN-Barcodes) oder einer Geo-Endung für GPS-Koordinaten unter .gps ?

Reichen die Hürden aus ?

Dies zur Verdeutlichung was da auf uns zu kommt: Praktisch ist nach dem Bewerberhandbuch der ICANN jedes generische Wort, jede Stadt und jeder Firmenname als Domainendung registrierbar.

In der Praxis gibt es jedoch einige Hürden - zum einen eine Bewerbungs-Gebühr in Höhe von 185.000 Dollar sowie entsprechend auch jährliche Betreiberkosten - die schlauerweise an die Anzahl der Domains bzw. der Transaktionen mit diesen gebunden sind. Dazu kommen viele formale Regeln wie zu den Bereichen Markenschutz und für Fälle wenn mehrere Unternehmen eine Endung beanspruchen.

Damit ist in jedem Fall sichergestellt, dass nun NICHT jeder einfach seinen Wunsch-Namen als Topleveldomain registriert und das Domain-Name-System damit seine Hierarchie komplett verliert. Auf der anderen Seite dürfte es Firmen wie Ebay, Apple, Microsoft, Facebook, Google und anderen Schwergewichten kaum abhalten da zuzuschlagen. Ein wenig Sinn erkenne ich sogar für solche Firmen darin: So könnte eBay z.B. jedem Power-Shop-Betreiber eine Domain verpassen wie "www.portunity.ebay" oder die Facebook-Seite von Portunity könnte statt bislang unter www.facebook.com/portunity zukünftig unter www.portunity.facebook erreichbar sein. Nur so als Beispiel - könnte das Sinn machen und wäre das tatsächlich eine Verbesserung ? Würden sich Kunden da auf Dauer dran gewöhnen können ?

Registrieren unter Zwang ?

Manche große Firma wird die Domainendung sich erst einmal aus markenrechtlichen Gründen oder gar Prestige und Image-Gründen vielleicht auch registrieren - oder was für einen Sinn sollte eine .mcdonnalds-Domainendung sonst haben sofern sich McDonalds beispielswiese überlegt diese gleichnamige Endung zu registrieren ? Hmm. Die Endung ".portunity" oder ".ruecker" hat ja schon was für's Ego - wenn da nicht der hohe Preis wäre ;)

Aber im Ernst: Müssen wir unsere Marke Portunity jetzt unter 500 oder mehr neuen Endungen registrieren und zusätzlich dann noch als eigene Endung ? Erwarten uns 500 Sunrise- und Landrush-Phasen ? Das ist fast sicher - aber bei allen Endungen teilzunehmen dürfte in der Praxis erst einmal auch wenig Sinn machen (was wollen wir mit portunity.dogs ?) und zum anderen auch zu viel kosten. Aber portunity.berlin, portunity.ebay, portunity.youtube und viele andere - da muss man schon überlegen ob man die nicht registriert, alleine schon damit da kein anderer einem mal zwischen funkt, man da mal aktiv werden möchte oder schlicht um seine rechtliche Position zu verteidigen...

Die Frage, wie sinnvoll diese inflationäre Ausdehnung der Namensräume ist, stellt sich ansonsten gar nicht mehr. Ich persönlich halte da aus verschiedenen Gründen nicht so sehr viel von. Einzelne Endungen machen hier und da möglicherweise Sinn - aber derart offen... Man kann davon jedoch halten was man will - kommen werden die neuen Endungen, in rauen Mengen. Das ist zu 100% sicher.

Vorregistrieren schon jetzt ? Ruhig bleiben !

Zum jetzigen Zeitpunkt aber in wilde Panik zu verfallen macht auch keinen Sinn (außer Sie wollen eine eigene Domain-Endung anmelden). Von Januar bis April 2012 werden die Anträge von ICANN für die nächste Runde angenommen - ab November 2012 soll es dann erste Ergebnisse zu Zuteilungen geben. Bis dann tatsächlich die ersten Domainendungen erreichbar sind und dort die ersten Sunrise- und Landrush-Phasen tatsächlich steigen - das dürfte noch locker bis 2013 dauern.

Fakt ist: Zum jetzigen Zeitpunkt stehen weder Preise noch Registrierungs-Bestimmungen, z.B. wer berechtigt sein wird unter .ebay Domains zu registrieren, fest - geschweige denn welche Domainendungen überhaupt kommen werden. Aus diesem Grund macht es aus meiner Sicht auch noch überhaupt keinen Sinn, schon jetzt Vorreservierungen entgegenzunehmen. Im jetzigen Stadium kann es allenfalls darum gehen eMail-Adressen und Interessenten schon mal einzusammeln. Werden wir vielleicht auch noch machen (Interesse ?) - eine darüber hinausgehende Vorreservierung jetzt anzubieten halte ich persönlich allerdings für schlicht unseriös.

Auswirkungen unabsehbar

Was das für Auswirkungen auf den Domain-Markt haben wird - ist eine andere spannende Frage. Wenn man sich den Erfolg von .museuem, .travel oder .jobs anschaut - können einem da erhebliche Zweifel kommen ob .phone, .cars, .houses usw. da öfter in freier Wildbahn zu sehen sein werden und die Kraft haben .de, .eu oder .com zu verdrängen ? Ich denke es wird einige wenige erfolgreiche neue Endungen geben, möglicherweise von der Bekanntheit her durchgeprügelt mit vielen Marketing-Dollars - und sehr viele die so gar nicht funktionieren werden und genauso rumdümpeln werden wie .tel, .biz und andere.

Wie sich die neuen Endungen auf den Domain-Sekundär-Markt aka Domain-Handel auswirken werden, ist noch eine ganz andere Frage. Einige Insider meinen "gar nicht" mit Verweis auf die erfolglosen Endungen wie ".jobs" und ".museum". Da könnte was dran sein. Andere befürchten einen erosionsartige Preisverfall. Wer kauft noch eine hypothetisch bereits vergebene Domain wie "meine-kleine-bäckerei-in-berlin.de" wenn er "kleine-bäckerei.berlin" frei registrieren kann ?

Für uns als Provider und Hosting-Anbieter wird das in jedem Fall ein Geschäft - letztendlich zählt da ja nur die Registrierung, über Sinn und Unsinn entscheiden letztendlich unsere Kunden und der Markt. Und ja, Portunity wird natürlich dafür sorgen dass wir Ihnen weitestgehend sämtliche Domainendungen soweit machbar und zugänglich anbieten werden und wollen.

Aber wie ist Ihre Einschätzung zu den neuen Endungen ? Welchen Endungen räumen Sie Chancen ein und welchen nicht ? Haben Sie Interesse Ihren Firmennamen auch unter einer Vielzahl neuer Endungen zu registrieren ? Oder sehen Sie die ganze Einführung nur als Geld-Schneiderei ? Befürchten Sie rechtliche Auseinandersetzungen oder sehen Sie dem gelassen entgegen ? Mich interessiert nun Ihre Meinung !

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mane
#1 mane | 22.06.2011 um 21:40 Uhr
Hi, interessante Info - die Preise für die Anmeldung einer eigenen Endung kannte ich noch nicht.

Ich kann mir vorstellen, das einige der Endungen wie .shop oder .berlin erfolgreich werde können, vorausgesetzt, nicht die Grabber / Domainer schlagen zu und versuchen dann diese wieder teuer zu verkaufen. Das wäre der Tot von mach einer Endung, wenn nach kurzer Zeit Music.shop aber auch kleintiere.shop, also Top Domains und Schrottdomains haufenweise leer stehen und als Parkingseiten dienen.

Zudem ist für mich bei der Nutzung einer Domain auch ausschlaggebend, das Google u.a. das Alter einer Domain für das Ranking mit nutzt. Vor kurzem habe ich leider selbst erleben müssen, wie schwer es im Verhältnis mit einer .eu Domain lokal zu ranken. ( aber vielleicht hab ich mich auch nur dumm angestellt).

Wie wird das bei einer .shop zukünftig sein. Wird interessant, was google aus den Domains macht oder auch nicht....

Mal schaun, wieder sicher spannend. Danke für denen Kommentar... sehr interessant!!!
Gruesse
Mane

Über den Autor

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